Roman
Theierl, Herbert:
Der Weg von Heidelberg nach Askalon.
Roman.
2010. 264 Seiten. Pb.
Euro 14,80. SFr 26,50.
ISBN 978-3-89950-524-5. edition fischer

»Der Weg von Heidelberg nach Askalon« zeigt, wie Studenten der Nachkriegszeit lebten, schildert ihren Alltag in alten Häusern und Gassen, in dunklen Zimmern mit gusseisernen Öfen, erzählt von den Gängen zum Pfandhaus, von Hunger und Phantasie, von der Trauer um das Verlorene und von der großen Erwartung, die alle hatten, weil der Krieg hinter ihnen lag.

Rudolf Brandner ist ein junger Mann, der sein Leben so bewusst lebt, als müsse er es auswendig lernen. Er hat die Naivität zu glauben, er könne für sich und seine Angehörigen die Folgen des Krieges rückgängig machen, durch sein Studium, durch große Leistung. Doch der Tod der Eltern und eine Krankheit, die ihn für Monate arbeitsunfähig macht, zerstören diese Illusion. Er erkennt, dass es für ihn nur einen Rettungsweg gibt: Er muss werden wie die anderen. Dieser Gedanke, der ihm zugleich abwegig und selbstverständlich erscheint, macht sein Leben zu einem Marsch in das Land der Philister, deren Hauptstadt (das studentische) Askalon ist. Für ihn ist das Philistertum ein Ersatz für die Heimat, eine Art innerer Emigration oder Verpuppung, in der er nicht nur überleben, sondern auch wachsen und sich verwandeln kann.

Herbert Theierl wurde in Königsberg an der Eger in Böhmen geboren. Er musste, wie die meisten seiner Landsleute, nach dem Krieg seine Heimat verlassen, hatte aber das Glück, in Heidelberg studieren zu können. Nach dem Studium (Philosophie, klassische Philologie, Archäologie und Jura) war er viele Jahre im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Bonn tätig.