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____________Petra Grelle____________


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Beitrag entnommen aus
»Erlebt, erzählt und aufgeschrieben«
Ausgabe 2008
R.G.Fischer Verlag

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Der Lockvogel

Eine Kriminalgeschichte nach Tatsachen


Was geschah am Mittwoch, dem 07.07.1999 in Bielefeld? In einem unscheinbaren Bielefelder Haus mit sechs Eigentumswohnungen beschlossen die Bewohner der mittleren und der oberen linken Etage, die Wohnung in der zweiten Etage rechts – hierbei handelte es sich um die Wohnung der hübschen, jungen Sophie – durch Hausmobbing bzw. Rausekeln frei werden zu lassen, damit sie diese für ihre Verwandten nutzen könnten. Hierzu setzten sie ihre ganze Phantasie und Energie ein. Frau und Herr Meise sind sehr agile Personen und bewohnen die Wohnung in der ersten Etage auf der linken Seite.

Das Ehepaar Meise lief ständig zur selben Zeit aus der Wohnung wie Sophie und verfolgte die junge Frau auf Schritt und Tritt. Da sie genau wussten, zu welcher Zeit Sophie morgens ihren Dienst im Büro versah und wann sie also durch den Hausflur ging, öffneten sie stets im selben Moment die Tür wie sie. Wenn Sophie die Treppe runter ging und an der Wohnungstür der Nachbarn der ersten Etage links vorbei musste, dann öffnete Herr Meise die Tür im selben Moment und rief: »Los, hol mal die Pistole!» zu seiner Frau. Ständig machten sie Sophie Angst mit ihrem Psychoterror. Ebenso fuhr das Ehepaar Meise des öfteren mit seinem Pkw hinter Sophie her. Das reinste Schauspiel wurde von diesen Hausbewohnern veranstaltet und ihnen war jedes Mittel recht, die Wohnung frei werden zu lassen.

Herr Meise pflanzte Stiefmütterchen in Form eines Kreuzes in den Sandkasten da er wusste, dass Sophie keine Stiefmütterchen mochte. Er schaufelte also vorher noch ihr Grab. (Hiervon hat Sophie Fotos als Beweis angefertigt.) Er wusste um alles genauestens Bescheid, da er ständig mit seinen Tonbändern hinter ihr herlief.

Herr Meise steigerte sich so in seine Mordabsicht hinein, bis er nur noch einen Gedanken hatte: »Wenn die hier nicht auszieht, dann bringe ich die um!« schrie er. Als ihr krebskranker Vater im Sterben lag, schrie Herr Meise unentwegt: »Hoffentlich stirbt der bald, damit die hier auszieht. Ich knall ab! Ich knall ab! Von mir aus können die hier alles zubauen, wenn die nur hier weg ist.«

An dem besagten Tag, dem 07.07.1999, war es dann so weit. Herr Meise war wie besessen von seinem Mord, so, dass er sich die Waffe von seiner Frau aus der Wohnung geben ließ und schoss. Treffen wollte er die junge, hübsche Sophie mit seiner Pistole. Er traf jedoch den LOCKVOGEL, der seitens der Polizei eingesetzt wurde und der die gleiche Kleidung wie Sophie an diesem Tag trug. Eine Kriminalbeamtin hatte sich also anschießen lassen und sich für ihre Freundin, die ebenfalls bei der Polizei beschäftigt ist, zur Verfügung gestellt und ihr somit das Leben gerettet.

Herr Meise traf den LOCKVOGEL am linken Oberarm. Der LOCKVOGEL, also Sophies Zwillingsschwester, wäre genau so wie sie auf der Stelle gestorben, wenn sie nicht ihre spezielle Schutzkleidung getragen hätte.

Herr Meise wurde zu 15 Jahren Haft (Höchststrafe) wegen Mordes und seine Frau zu 5 Jahren Haft wegen Beihilfe zum Mord verurteilt.

Einige Zeit nach dem Vorfall zog Sophie aus dem Spukhaus aus. Sophie hatte ihren LOCKVOGEL, also ihre Zwillingsschwester, vor der Tat nicht gekannt.
Eines Tages traf sie eine Person im Zug, die ihr sehr ähnelte. Sophie hatte nicht den Mut, diese Frau anzusprechen. Es konnte sich nur um ihre Zwillingsschwester handeln. Es sei denn, sie hätte noch eine Doppelgängerin.

Nun ist Sophie auf der Suche nach ihrem LOCKVOGEL bzw. Zwillingsschwester. Eine Schwester hat sich Sophie schon immer gewünscht, zwar nicht auf diesem Wege, aber nun hat es sich für sie so ergeben.

Diese Frau, die Sophie das Leben gerettet hat, ist für sie eine Heldin und sie sollte auch von der Sendung Aktenzeichen XY ungelöst den höchsten Preis gewinnen, der dort für besonders hilfsbereite und vor allem mutige Menschen vergeben wird.
Sophie wartet noch auf das Antwortschreiben des strengsten Richters, der diesen Fall verurteilt hat und hofft, dass er oder die Polizei ihr die Anschrift dieses Lockvogels mitteilen, damit sie ihre Zwillingsschwester bald kennen lernen kann.
Seitdem ist Sophie auf der Suche nach ihrem Lockvogel. Sie gerät dabei immer wieder in ungewöhnliche Situationen, die ihr Ratlosigkeit und Angst bereiten.

Ein besonderer Dank gilt Sophies Arbeitskollegen/Arbeitskolleginnen, die ihr sehr geholfen haben.

Die Namen sind geändert und frei erfunden. Ähnlichkeiten der Lebens- und Charaktereigenschaften sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.




Über die Autorin:


Petra Grelle, Jahrgang 1964, stammt aus dem Emsland.

Sie sammelte Erfahrungen als Redaktionssekretärin bei einem Zeitschriftenverlag, wo sie auch unter Pseudonym schrieb.

Seit 1989 ist sie Sekretärin im Kriminalkommissariat.

Ihr größter beruflicher Traum wurde wahr, als sie eine Komparsenrolle in ihrer Lieblingsserie, der »Lindenstraße«, bekam.

Nun möchte sie freie Schrift-stellerin werden und sucht Kontakt zu anderen Krimi-Autoren, um ihre Idee zum druckreifen Buch auszubauen.