____________ Margit Schäfer ____________
»Erlebnisse und Beobachtungen mit Fantasie vermischt
ergeben ein Gedicht.«

AUFSTAND DER NUTZTIERE
Der Bauer einen Schreck bekam,
als ihn das Rindvieh auf die Hörner nahm.
»He, Bauer, lang genug geschunden,
uns bis zum Schlachten angebunden.«
Die Milchküh’, die sonst friedlich muhn,
sehr aggressiv wird deren Tun.
Das Federvieh drängt aus dem Käfig raus,
kratzt den Peinigern die Augen aus.
»Wie lange wollt ihr uns noch quälen,
meint ihr Menschen, nur ihr habt Seelen?«
Dies empfinden auch die Schweine
und sie beißen ungemeine.
»Mensch, bedenke, hinter des Tieres Stirn,
registriert jeden Schmerz sein Gehirn!«
Das Ross guckt zu, meint: »Gar nicht schlecht,
meine Kollegen, ihr habt recht.«
Es sinnt auf Rache in einem fort,
verlor den Freund im Tiertransport.
Mit Peitsche und Sporen kommt der neue Reiter,
es ist der Tiertransportbegleiter.
Weil das Pferd ein gutes Gedächtnis hat,
verwandelt’s in wilden Galopp den anfänglichen Trab.
Es rast Richtung Schlucht, die steil bergab,
der Reiter erstarrt – da stürz ich hinab!
Angst und Panik erfassen den Reiter,
nur das Pferd denkt etwas weiter.
Kurz davor, setzt’s ihn ab und bleibt stehen,
senkt den Kopf, als wollt’s nach ihm sehen
oder sagen: »Wär’ ich brutal wie du,
hätt’ ich vor dir jetzt meine Ruh.
Doch, komm, steig auf, ich bin dir Freund,
wollt’s dir nur zeigen – hab’s nicht böse gemeint!«
So hat die Tierwelt den Menschen gelehrt,
wie’s aussehen kann, wenn sie sich wehrt!
AUTO-MA-Mist!
Vorm Automat schnaubt er: »So ein Mist«,
weil wieder kein Wechselgeld gekommen ist.
Das Eingeworfene behält der Kasten,
doch was hilft’s – auszurasten?
Schnell zur Bank, denn hurra,
Zahltag ist’s, der Lohn ist da.
Freitagabend, die Freundin wartet,
doch das Spiel wie abgekartet.
Automat gestört – kann nichts geben,
verflixt, was ist das für ein Leben!
Zur nächsten Filiale ist’s recht weit,
mal sehen, ob die Liebste was leiht.
Doch schlägt das Schicksal erst mal zu,
lässt’s einen so schnell nicht in Ruh.
Der Geplagte nimmt den Zug nach Haus,
nur der Automat gibt keinen Fahrschein aus.
Kurz darauf passiert ’s Malheur,
Schwarzfahren 40 Euro, spricht der Kontrolleur.
Moderne Technik auf Automatik getrimmt,
die bisweilen sehr wütend stimmt.
Streikt erst mal beim PC die Maus,
herrscht Chaos komplett im Haus.
Daraus folgt, was Sache ist.
Automatik = AUTO-MA-Mist!
Der Brief
Seit vielen hundert Jahren
schreiben die Menschen sich,
um Neuigkeiten zu erfahren,
eh der Brief der Hightech wich.
Da es Telefone gibt
in fast jeder Örtlichkeit,
ward ’s Briefeschreiben unbeliebt,
es kostet zu viel Zeit.
Per SMS und Internet
möchte man sich mitteilen,
weil’s einfacher und schneller geht,
als übern Brief zu weilen.
Worte, von Hand geschrieben,
scheinen nicht attraktiv,
doch ist ein Reiz geblieben,
am guten alten Brief.
Ein Brief bleibt ein Unikat,
ist er von Hand verfasst,
ein jeder ein andres Schriftbild hat,
das in kein Raster passt.
Denn:
Gesprochene Worte am Telefon
vergehen wie der Wind,
bleibend sind die,
die auf Papier geschrieben sind!

