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kugelschreiber

____________ Stefan Lippianowski ____________

 

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Beitrag entnommen aus
»Collection deutscher Erzähler«
Ausgabe 2009
R.G.Fischer Verlag

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die Schule
auf der krankenhausstation

es war vor langer zeit, als stefan noch ein schuljunge war und aufgrund seiner behinderung in einem krankenhaus unterricht hatte. das klassenzimmer war gleichzeitig das krankenhauszimmer, in dem die schüler auch schliefen oder gar »groß« gemacht haben. stefan fand das alles nicht schön und ziemlich langweilig. er wollte viel lieber mit den kindern aus der nachbarschaft in O. spielen.
von den krankenschwestern wurde stefan immer ganz nackt gewaschen. stefan gefiel das. sein glied wurde dabei ganz steif. wenn stefan ein steifes glied bekam, zog man ihm keine schlafanzughose mehr an.
nur die schulausflüge mit der ganzen klasse gefielen ihm.
das essen, das er zum Mittag bekam, war immer kalt.
in der 7. klasse wurde die erzieherin von der klasse abgezogen.
stefan wurde dann ins bett gelegt. dort blieb er bis zum anderen morgen liegen, weil die krankenschwestern keine lust auf und keine zeit für ihn hatten.
oft war sein bett wärmer als das zimmer.
stefan liess sich oft ausziehen, damit er mit seinem glied herumspielen konnte.


die
weltraummenschen

es war im jahr 1964, da fassten die menschen des weltalls einen beschluss. sie wollten einen versuchsballon starten. sie wollten testen, wie sich die menschen auf der erde verhalten, wenn ein behinderter mensch auf die welt kommt.
der versuch startete am 21. Oktober 1964 in o. bei ostberlin und das land hatte sich drei jahre zuvor einmauern lassen. sie schickten dafür ein raumschiff, das vor dem kreiskrankenhaus der stadt o. landete. das raumschiff war so leise, dass es keiner gehört hat.
es war um ein uhr in der nacht, als der mensch aus dem weltraum in das arztzimmer trat. der weltraummensch bekam den arzt sehr schnell zum schlafen. er zog sich die arztkleidung an.
im kreißsaal waren die krankenschwestern etwas übermüdet, denn sie hatten viel gearbeitet. so merkte niemand, dass er nicht der arzt war. so passierte es, dass ein baby mit namen stefan als behindertes kind geboren wurde. stefan wurde gleich nach berlin-buch gebracht.
der weltraummensch bestieg sein raumschiff. er wunderte sich dabei, warum stefan ohne seine mutter nach b. gebracht wurde. dürfen behinderte nicht die brust ihrer mutter bekommen? dabei versuchen die menschen des weltraums dies seit 10.000 jahren den menschen beizubringen.
nach fünf jahren sahen die weltraummenschen durch ein Computerfernrohr nach stefan. was war das denn? stefan musste eine badehose am see tragen. stefan schien trotzdem gesund zu sein, außer dass er seine nahrung nicht selber in den mund bekam.
die menschen schienen nicht zu begreifen, dass ein mensch auch so leben kann.
sie bringen solche menschen in heime, wo die behinderten nach dem abendessen ins bett gelegt und allein gelassen werden. 1980 beschloss der weltraumrat, dass die welt langsam kaputtgehen sollte. sie sollte sich selbst verfeuern.


Über den Autor:

Stefan Lippianowski, am 22. Oktober 1964 in Oranienburg geboren, durch einen Arztfehler ist er behindert. Seine Mutter war Erzieherin, sein Vater Chemiefacharbeiter. Mit sechs Jahren erhielt er zu Hause Unterricht von seiner Mutter. Zur Behandlung musste er regelmäßig nach Berlin-Buch. Im Herbst 1976 kam er nach Birkenwerder in die Klinik, weil er weiter zur Schule gehen wollte. 1982 kehrte er ohne Schulabschluss nach Hause zurück, weil er nicht schreiben konnte. 1982 begann er mit dem Zeigefinger seiner linken Hand auf einer Schreibmaschine zu schreiben. 1994 kam er nach Potsdam ins Oberlin-Haus, 1999 nach Berlin. Seit 2003 wohnt er in Grünau. 2007 erschien sein erstes Buch.

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