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kugelschreiber

____________ Brigitte Reichardt ____________


»Lass die Worte klingen und die Reime singen.«

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Beitrag entnommen aus
»Das Gedicht lebt«
Ausgabe 2008
R.G.Fischer Verlag

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Tageszeiten

Früh, wenn der neue Tag erwacht,
Morgenkühle leicht und sacht
Über Haar und Wangen streicht.
Dann bin ich glücklich,
Froh und frei.
Fühle Frieden
Hier hienieden!

Steht die Sonne hoch am Himmel,
Enden Hast und Menschgewimmel!
Streift die Müdigkeit dein Haupt,
Dann kannst du der Ruhe pflegen!
Welch ein Segen!

Abends ist es dann so weit:
Still entflieht die Heiterkeit!
Mondesrund zeigt sein Gesicht,
Mensch, vergiss die Tagespflicht!
Ruhe aus
In deinem Haus!

Kommen nachts der Träume viel,
Du wirst wach?
Dann bete still!
Nimm dir Zeit zu danken.
Schau das neue Tagewerk.
Leben ist zurückgekehrt!
Dein Gebet erhört.

 

Der Morgen

Frühe dringt der Vogelsang
Mir in Herz und Sinn.
Alles jubelt, alles dankt:
Ich bin Gottes Kind!

Lob und Preis sei Schöpfer dir!
Mein Herz, das freue sich.
Ich bin so frei, so heiter hier.
Schaue dir ins Angesicht!

Auch der Vögel Jubelschar
Ist mir Hinweisschild.
Wie sie singen, froh und klar,
Nur zum Lob gewillt.

Ja, ich strahle früh am Morgen.
Vernehme Gottes Stimm’.
Weg sind Mühen, fort sind Sorgen:
Ich bin Gotteskind.

HERR, ich danke in der Frühe,
Jauchze laut Dir zu!
Freudig beuge ich die Knie,
Deine Liebe gab mir Ruh.

 

Abendrot

Letztes Glühen am Himmel!
Farbenprächtig!
Reich an Rot.
Du, HERR,
Bist allmächtig!
Du, Sieger, über den Tod.

So war auch mein Leben!
Farbenprächtig!
Reich an Licht.
Du, HERR,
Bist allmächtig!
Lass leuchten dein Angesicht.

Licht und Rot vergehen!
Die Nacht bricht ein.
Über Bitten und Verstehen:
Wolltest Du mein Wächter sein.

In letzten Lebenstagen:
Verglüht die Lust!
Verstummen werden
Meine Fragen,
Denn ich ruh’ an Jesu Brust.

 

Hausspruch

Not geh zu Ende!
Gott alles wende!
Behüte mein Haus.
Geh ein und aus!

Schütze mit Flügel,
Berge und Hügel
Vor Kriegsgefahr
Immerdar.

Decke und schirme:
Bei Feuer und Stürmen
Vieh, Menschen und Stall.
HERR des Weltalls!

Dein Wille geschehe:
In Ferne und Nähe,
Im Herzen und Sinn.
Denn ich bin dein Kind!

 

Not

Es schreit die Seele,
Es stöhnt das Herz.
Es fließen Tränen
Erdenwärts.
Es sinkt der Mut!
Der Mund wird stumm.
Das Auge schaut
Hilflos herum.
Wo ist der Grund?
Wo Sicherheit?
Wo ist die Liebe,
Das Ehrenkleid?
Wo, HERR, bist Du geblieben?
Wer hat Dich denn vertrieben?
O Gott, sieh meine Nöte!
Hör auf mein stummes Beten.
Erhebe doch Dein Angesicht!
Reich mir die Hand
Und führe mich.

 

Der neue Tag I

Noch gleitet still der Mond dahin.
Die Sterne funkeln matt.
Unruhig streift der Morgenwind
über Felder, Dorf und Stadt.

Die Ruhe flieht, der Tag bricht an!
Der Mensch erhebt sich wieder.
Verlassen liegt die Lagerstatt,
Er dehnt und streckt die Glieder.

Es weicht die Nacht!
Die Wolken schwinden.
Die Sonne grüßt und
Fragen werden Antwort finden.

 

Du bist mein Bruder, HERR!

Du bist mein Bruder, HERR!
Du bist der Weg.
Du bist mein Bruder, HERR!
Du bist der Steg.
Du bist mein Bruder, HERR!
Du bist die Wahrheit.
Du bist mein Bruder, HERR!
Das Licht, die Klarheit.
Du bist mein Bruder, HERR!
Und mein Erlöser.
Du bist mein Bruder, HERR!
Du schickst den Tröster.
Du bist mein Bruder, HERR!
Und meine Zuversicht.
Du bist mein Bruder, HERR!
Der Geist, der zu mir spricht.
Du bist mein Bruder, HERR!
Und auch das Anfangswort.
Du bist mein Bruder, HERR!
Bringst mich zum Himmelsort.

 

Der neue Tag II

Frühmorgens geht die Sonne auf.
Der Mond beendet seinen Lauf.
Wenn seine Leuchtkraft flieht,
Erwachen Geist und Lied.

Der Tag, wie zeigt er strahlend sich!
Sein Licht berührt mein Angesicht.
Ich lebe!
Gott allein sei Dank.
Ich freue mich!
Bin nicht mehr bang.

Schaut, wie die Sonne strahlt und hellt.
Sie wärmt auch mich,
Den Geist, die Welt.
Sie bringt mir die Zufriedenheit,
Kraft, Freude, neue Wirkungszeit.

Geschenkt ist dir das Leben.
Erwache Mensch!
Dann pflanze Reben.
Gott segne deine Tätigkeit!
Der volle Tag steht dir bereit.

Der Mittag lädt zur Ruhe ein.
Genieß’ nicht Speis’ und Trank allein,
Erringe neu den Tagesrest,
Eh dich die Kraft dann ganz verlässt.

Am Nachmittag die Glocken läuten.
Sie sollen Lob und Dank bedeuten.
Halt ein mit der Geschäftigkeit!
Und öffne Herz und Seele weit.

Der Abend bringt die Ruhe dir.
Die Sonne sinkt,
Der Mond kommt für.
Die müden Augen fallen zu,
Gott schenkt erneut dir Seine Ruh.

 

Gottes Barmherzigkeit

Meine Zunge zu schwach,
Um dich zu preisen!
Die Gedanken zu träge,
Dich zu verstehen!
Meine Ohren verstopft,
um dich zu hören!
Das Auge blind,
Die Herrlichkeit zu sehen!
Mein Herz zu klein,
Dich zu erfassen!
Mein Gefühl verdorben,
Um Liebe zu begreifen.
Aber:
Deine Barmherzigkeit,
Du großer Gott,
Sie hüllt mich ein!
Sie lehrt mich gehen,
Preisen, hören und verstehen.
Erkennen auch das Amen:
Gepriesen sei dein Name!

 

Im Februar 2006

Trotz Kälte, Frost und schneidendem Wind
Spüre ich Frühlingsahnen.
Die Knospen der Bäume versteckt noch sind.
Ich höre inneres Mahnen:
Sieh, tief im Versteck
Unter bereiftem Laub
Regt und bewegt es sich.
Nichts bleibt tot,
Wie ich geglaubt!
Zarte Spitzen der Schneeglöckchen warten
Auf der Sonne wärmenden Strahl.
Nun können sie wachsen!
Sie können starten!
Zu Ende ist des Winters Qual.

 

Oberstdorf: Der Blick vom Berg

Herrlich liegen Täler,
Ragen Bergeshöhn!
Herrlich Gottes Werke,
Staunend anzusehn!
Blumen, Bäume, Bäche und der Tiere Schar
Füllen unsre Erde
Bringen Leben dar!

Abends glühen Sterne,
Wenn die Sonne sinkt.
Wie aus weiter Ferne
Mir ein Lied erklingt.
Es singt in mir die Freude!
Groß die Unendlichkeit! –
Das Vieh schläft auf der Weide,
Ich stehe hier bereit:

Dein Wort will ich empfangen!
Die Seele öffnet sich!
Du, HERR, bist mein Verlangen,
Du meine Zuversicht!
Dich darf ich hier erfahren
Als großer Schöpfer Gott.
Vergessen sind die Jahre,
Vergessen Angst und Not!

 

Trauer im Herbst

Grau der Tag und bunt der Herbst,
Blätter fallen erdenwärts.
Raschelnd schreite ich darüber!
Ach, der Sommer wär’ mir lieber.

Traurig ist das Herze mein,
Dann berührt mich Sonnenschein.
Aus dem Grau bricht er hervor:
Erfreut sind Augen, Herz und Ohr!

O sieh, ein Wunder ist geschehen!
Unvermittelt blieb ich stehen.
Höre auf den Vogelsang,
Erlebe Blätterfall als Klang.

So getröstet durft’ ich gehen,
Die Welt mit andern Augen sehen.
Den Blick erhob ich himmelwärts,
Gott schenkte Freude in mein Herz.

 

Die Biene

Fleißig trägt sie Honigseim,
Fliegt tagaus, tagein!
Regt sich, pflegt sich,
Sammelt, summt,
Dass Honig in die Wabe kommt.
Goldgelb liegt die Süße dann
Still im Bienenstock,
Bis der Imker freudig kommt,
Gehüllt in Tuch und Rock.
Mensch und Bär dies Labsal schmeckt,
Kennen beide den Gewinn!
Suchen Honig,
Finden ihn,
Geben sich der Süße hin!
Danken für die Gabe.
Reiche Ernte!
Welche Labe!
Kleine Bienen sammeln ihn!
Wie viel Arbeit steckt darin!

 

Diagnose Krebs

HERR, ich kann es nicht verstehen?
Was nur, was ist mir geschehen?
So viel Schmerzen, Angst und Sorgen!
Trüber Abend!
Not am Morgen!
Vater aller Ewigkeit,
Halte deine Hand bereit,
Um mich aufzufangen.
Stille mein Verlangen!

HERR, du kennst die tiefsten Gründe!
Du siehst und hörst mein Klagen.
Ich weiß, dass diese böse Stunde
Getragen wird durch Fragen.
Bei dir allein es Antwort gibt!
Ich bin dein Kind!
Du hast mich lieb!
Du stilltest mein Verlangen!
Du bist nicht fort gegangen!

Alles Seufzen und Gestöhn
Wird einst leer verschwinden!
Heute, HERR, kann ich verstehn!
Schenktest Trostempfinden.
Du bist Hoffnung!
Hörst mein Flehen!
Du lässt mich nicht untergehen!
HERR, ein Wort in dieser Stund’
Und die Seele wird gesund!

 

Gottes Frage und meine Antwort

Wirst du nicht weichen?
Ja, HERR, das will ich!
Stehen wie Eichen?
Ja, HERR, das will ich!
Loben und preisen?
Ja, HERR, das will ich!
In neuen Weisen?
Ja, HERR, das will ich!
Geh’ meine Wege!
Ja, HERR, das will ich!
Ich schenke dir Segen!
Vater, den brauch ich.

 

Danke, Vater im Himmel

Danke, Vater im Himmel!
Danke für den neuen Tag.
Danke, Vater im Himmel,
Dass ich singen mag.
Danke, Vater im Himmel,
Für die Liebe dein.
Danke, Vater im Himmel!
Ich bin nicht mehr allein!


Über die Autorin:

Brigitte Reichardt wurde 1937 in Magdeburg geboren. Sie war Schulsekretärin und arbeitete nach einer theologischen Ausbildung am Predigerseminar Friedensau als Diakonin für Gemeindearbeit. Später ließ sie sich an der medizinischen Fachschule in Bandenburg/Havel zur Krankenschwester ausbilden und übte diesen Beruf einige Jahre aus. Sie ist außerdem ausgebildete Chorsängerin und Musikerzieherin für Musikschulen in den Fächern Blockflöte und Musiklehre. Seit ihrem Fernstudium an der »Schule des Schreibens«, Hamburg, erschienen Publikationen von ihr in mehreren Anthologien u.a. im R.G. Fischer Verlag und ein eigenes Werk mit dem Titel »Lichter an einem dunklen Horizont« (WDL-Verlag, Hamburg).