____________ Artur K.M. Bay ____________
»Gedichte verfasse ich darüber, was ich denke, empfinde, erwarte,
hoffe, glaube, kritisiere, lebe, liebe und träume.«.

Tragödie eines Unikums
Es war einmal ein Unikum,
das lungerte an der Uni ’rum;
studierte dies, studierte das,
gab aber selten richtig Gas.
Und interessanterweise dies:
Er hatte relativ viel Kies;
von Vaters Tasche lebte er,
Papa war faktisch Millionär.
Das Unikum war eingeschrieben,
und wollt’ ’ne ruhige Kugel schieben.
Dass er jedoch wie nie zuvor,
total die Übersicht verlor;
dies war nun nicht so programmiert,
er hatte sich verspekuliert;
das kann auch anderen passieren,
wenn sie nicht maßvoll kalkulieren.
Das Studium zog sich in die Länge,
man trieb den Burschen in die Enge;
entweder topp nun, oder hopp,
sonst wird das Ganze echt ein Flop.
Im Seminar für Pädagogik
entwarf er seine Jenseits-Logik;
Erziehung; ohnehin und heute,
ihm sowieso nicht viel bedeute.
Nach zwei Semestern Theologie:
Begeisterung für Philosophie;
doch Nietzsche, Hegel und gar Kant,
er deutlich zu verschroben fand.
So kam er über Germanistik,
am Ende noch zur deutschen Mystik.
Dann träumte er von Sauerbruch;
dann Schiller und Ricarda Huch;
Urplötzlich nämlich der Spagat
vom Romancier zum Literat –
Dann hatte er sich ausgekotzt,
und war jetzt total übermotzt.
Die Zeit verging – die Zeit war um,
dies wusste auch das Unikum –
Die Mutti krank und Papsi tot;
Bafög gestrichen – große Not.
Da kam’s ihm plötzlich in den Sinn:
Ich werf’ den ganzen Krempel hin!
Seitdem fährt jenes Unikum,
als Taxifahrer im Kreis herum.
Juni 2008
Zuviel geschnarchtEin Schnarcher namens Schnodderich,
der schnarchte nicht wie du und ich;
er schnarchte richtig infernalisch –
um nicht zu sagen animalisch.
Er sägte ganze Wälder kahl,
bis eines nachts er dann einmal,
mit einer Säge in der Hand –
mondsüchtig wird dies auch genannt –
den Holzhaus-Eckbalken ansägte,
bis sich sein Heim zur Seite legte;
und dummerweise so blöd fiel,
dass es dem Nachbarn nicht gefiel.
So kam es wie es kommen musste,
weil Schnarcher Schnodderich nicht wusste,
dass er der Übeltäter war,
legte die Kripo schließlich klar:
Wir haben eine heiße Spur!
Das sind Verdächtigungen pur.
Ein Luxus-Liner-Omnibus
Ein Sechser-Sterne-Omnibus
der Firma STAR OLYMPICUS
blieb schon auf halbem Wege stehen
und wollte keinen Schritt mehr gehen.
Fatal und dumm war – wissen Sie –
er stand inmitten der Prärie
und weit und breit nur ödes Land,
gemischt mit etwas Stein und Sand.
Das Wasser wurde langsam knapp,
zuerst machten die Männer schlapp.
Da meckerten die Passagiere,
wann denn der Bus mal wieder führe?
Herr Quengelmann aus Radevormwald,
rief aufgebracht und laut: »Ja, wird’s bald!?«
Darauf der Busfahrer gewitzt:
»Es ist kein Fehler, wenn man schwitzt!«
Der Mensch
Der Mensch ist praktisch unvollkommen,
kaum einer wird für voll genommen.
Zwar bildet er sich ständig ein,
die größte Schöpfungstat zu sein.
Was schließen wir daraus? Mal ehrlich?
Der Mensch ist beinah unentbehrlich!
(Alternative für ewige Skeptiker:)
Der Mensch ist allgemeingefährlich.
Nichts ist schlimmer
als die bewusste Lüge,
der offenkundige Hass
und eine unbewältigte Vergangenheit
»Via Gala – oder die Sehnsuchtsskala«
Wir bauen keine »Via Mala«;
wir zeichnen eine Sehnsuchtsskala,
von Eins bis Hundert, das genügt,
weil man mit Mehr sich selbst betrügt.Eins ist der absolute Frust,
das war mir lange schon bewusst.Zehn ist – nun, sagen wir mal: flau,
kein Silberstreif, nur grau in grau.Zwanzig hört sich sehr mickrig an,
die Liebe kaum erblühen kann.Dreißig ist noch voll Gebrechen,
von Liebe kann man da nicht sprechen.Doch Vierzig, nun wird’s intressant,
die Sehnsucht reicht die zarte Hand.Zu Fünfzig, das ist halbe-halbe:
»Ein Sommer macht noch keine Schwalbe.«
Bei Sechzig da kommt Stimmung auf,
denn nun beginnt der Liebe Lauf.Auf Siebzig – Punkte – siebzig Grad –
die Sehnsuchtsskala kommt in Fahrt.Jetzt Achtzig gleich, ojemine,
nun nichts wie ab aufs Kanapee.Neunzig, das ist wirklich Spitze,
plötzlich kocht das Blut vor Hitze.Neunundneunzig unbesehen,
Herz und Lust in Flammen stehen.Einhundert wäre dann total,
das gibt’s nur ab und zu einmal.
Myriaden
Myriaden Wassertropfen prasseln
aus Wolkenmeeren wunderschön,
es ist, als würden Schellen rasseln,
und Kinder sich im Tanze dreh’n.Myriaden Sterne zieh’n am Himmel
in weiten Fernen ihre Bahn,
es ist auch Ordnung im Gewimmel
durch einen Gott von Anfang an.Milliarden Menschen sind’s auf Erden,
Milliarden, fast wie Sand am Meer,
ist es ein Kommen, Sein und Werden;
kein Ende; stete Wiederkehr.Myriadenfach auch die Gedanken,
sie füllen vages Hoffen aus,
wir denken frei und ohne Schranken,
im erdgebund’nen Schneckenhaus.
Kehrgedicht – Kehrgericht
Ein Besenstiel an einer Schippe,
riskierte eine große Lippe;
er sprach: »Für diese Drecksarbeit
bin ich von Haus aus zu gescheit,
ich kehr normal nur für den Adel,
und dieses ohne Fehl und Tadel.«
Da sprach die Schippe: »Blöder Sack!
Dann kehr halt bei dem Lumpenpack!«
Seidelbast
Iss – auch wenn du davon hast –
zum Nachtisch niemals Seidelbast.
Vergiss ihn auch zum Mittagessen,
sonst wird man danach dich vergessen.
Musisches
Es fehlt dem Mensch zu seinem Glück
oft nur ein bisschen mehr Musik;
ob Bach, Bay oder Mendelssohn,
man kennt ja alle Typen schon!?!
Oder?!?
Positive Gedanken sind nichts Negatives.
Mit Problemen reift man
oder man wird von ihnen erdrückt.
Keinem Hund könnte ich etwas zu Leide tun,
denn ich bin ein Menschenfreund.

