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kugelschreiber


Ulrich Springsguth
Ein Nationalsozialist, wie ihn E.S. nicht kannte
Bericht über Ereignisse und Erlebnisse am Ende des Zweiten Weltkrieges und über eine große Persönlichkeit
2008.
128 Seiten.
Paperback.
€ 10,70 (D). SFr 20,50.
ISBN 978-3-89950-349-4.

Warum schreibt man ein Buch?

Vor wenigen Jahren machte ich ein Großaufräumen, fand eine Menge alter Unterlagen, Akten, Dokumente. Auch viele, sehr viele alte Fotografien, dazu komplette Fotoalben aus meiner Jugend. – Mir fiel auf, daß praktisch keine Aufnahmen aus der Kriegszeit (1939-1945) dabei waren. Überhaupt nichts aus der Lausitz, aus Zittau, dem Ort meiner Evakuierung, der wichtigsten Region meiner Kindheit; zudem nicht ein einziger Brief.
Dies interessierte mich ganz plötzlich, reizte meine Erinnerungskräfte. Ich dachte nach, es ließ mich nicht los. Bis eines Tages ein ganz detailliertes komplettes Archiv vor meinen Augen erschien: Vom Kriegsbeginn an, als meine Mutter den ganzen Tag weinte, bis zum letzten Schuß bei Kriegsende. Alles aus dieser Epoche war mir plötzlich genauestens erinnerlich. Über keinen anderen Zeitabschnitt hatte ich so viele, so exakte und so plastische Erinnerungen. Sie waren fast vollständig.
Nun war man ja als kleiner Junge im Kriege gefordert, es ging ums Überleben. Man mußte ganz schnell erwachsen werden; mitdenken, mithelfen, reagieren. Solche aufregenden Probleme, derartige hochinteressanten Szenen prägen sich auf immer ein.

Ich habe dann in wenigen Wochen, ohne Unterbrechung, alles aus dieser Zeit, was ich erlebt, erfahren habe, zu Papier gebracht. – Diese Dokumentation ergab ein anderes Bild, als die üblichen Berichterstattungen. Es gab an der »Heimatfront« private Tage, viele, sehr viele Alltage. Es gab auch völlig »Nazi-freie«, Soldaten-freie Räume. Und, besonders ungerecht: Es gab privilegierte Regionen, in denen fast nichts vom Krieg zu spüren war. - Und es passierten in meiner Nähe unglaubliche Dinge: Treffen von Arabern in der Lausitz. –  Frühe Warnung vor Bombenangriffen auf Dresden – Eine »Nazi-Familie«, die hungert und nur von den Rationen gemäß Lebensmittel-Kartenregime lebte – Kinder, die einen Teil der Lebensmittel selbst besorgen mussten, andererseits mit Begeisterung ihren Hobbys nachgingen, ihren Spaß hatten. Und es gab einen Onkel, der einen siebten Sinn für alle Gefahren hatte.

Um diese oft hochinteressanten Ereignisse, Zeiten und Zonen zu schildern, auch um meine Hochachtung vor einem großartigen Menschen, einem Regimegegner, zu manifestieren, um meinen Dank an die Gastfreundschaft seiner Familie abzustatten, habe ich mich zu einer Veröffentlichung entschlossen.

Zum Titel

Ursprünglich sollte der Titel lauten: »Ein Nationalsozialist, wie ihn Sebastian Haffner (S.H.) nicht kannte«. Haffner hatte ja in seinem grundlegenden Buch »Geschichte eines Deutschen« den Nationalsozialismus mit allen Bösartigkeiten beschrieben. Um eventuellen Bedenken im Hinblick auf Urheber- und Namensschutz Rechnung zu tragen, wurde ganz zuletzt aus »S.H.« ein »E.S.« gemacht (=Erich Springsguth, Vater des Autors).

Araber in Zittau ? (»Die Weisen aus dem Morgenland«)

Wie Reaktionen auf die erste Verteilung des gedruckten Buches ergaben, haben wirklich Treffen von Arabern in und bei Zittau stattgefunden. Der »Groß-Mufti« von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini, der Anführer der Araber im Kampf gegen einen künftigen israelischen Staat und Freund Hitlers, lebte im Krieg in Bad Oybin im Zittauer Gebirge und traf sich mit seinem Gefolge oder mit Arabern aus sieben Ländern im abseits gelegenen Zittau.

Zerstörung Dresdens – Gab es wirklich Warnungen?

Mein Bruder und ich wurden, wie im Buch berichtet, von unserem Onkel zwei Tage vor Beginn der Luftangriffe nach Dresden geschickt, um »ein letztes Mal diese herrliche Stadt zu sehen, zu erfahren.«
Dies weiß ich heute noch genau. Dies habe ich noch jetzt ganz exakt in Erinnerung. Mein Bruder und ich haben oft nachträglich darüber gesprochen. Auch meine Mutter war vorher eingeweiht worden, warnte uns vor einem Besuch.
Unser Onkel, der fast alles an Luftangriffen vorausgesehen hatte, hätte uns niemals auf Verdacht hin, ohne genaues Wissen der Zeitabläufe, nach Dresden geschickt, in eine hochgefährdete Stadt.
Seine eigenen Kinder hat er nicht zu einem Besuch angeregt, weil sie – wie fast alle Zittauer – die nahegelegener Stadt kannten, oft besucht hatten.


ARD-Reihe »Kriegskinder«

Eine vierteilige Dokumentationsreihe »Kriegskinder« mit Schilderungen vor allem des Alltags in der Heimat wird zur Zeit von der ARD vorbereitet. Dem Leipziger Produktionsteam liegt das Buch vor. – Ende 2008, Anfang 2009 ist die Ausstrahlung zu erwarten.

Sommer 2008

Ulrich Springsguth
Verbandsyndikus a.D.
Königstein im Taunus

Über den Autor:

Der Autor nimmt sich mit diesem Buch der eigenen Kindheit an, die er mit seinem Bruder und seiner Mutter bis zu den Bombenangriffen des Zweiten Weltkrieges in Leipzig verbringt.

Am Ort der Evakuierung – in der Lausitz – lernt er bei der Gastfamilie seinen Großonkel kennen, der sich in seiner Anständigkeit und Integrität von den üblichen Nationalsozialisten abhebt und die Gabe der Vorausschau besitzt.

Der kleine Junge erfährt seine erste große Liebe, auch bizarre Merkwürdigkeiten, sieht die Weisen aus dem Morgenlande, eine fast friedliche, politikfreie Oase, besucht die Stadt Dresden vor ihrer angekündigten Zerstörung.